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Geschrieben von alba   
Montag, 24 August 2009
vom landboten abgeschrieben:

Roboter mit Seele und Gespür für Musik
«Six Freaks Under», die Geschichte über die männer- mordende Diva Roswita und das Nachleben ihrer Liebhaber als Band in der Unterwelt, begeistert auf dem Kirchplatz. Roboter spielen in der Vorstellung echte Instrumente.

Michael Graf
WINTERTHUR - Freitagabend auf dem Kirchplatz. Eine Menschentraube, die bis zur Fassade des Gewerbemuseums reicht, hat sich um den roten Bühnenanhänger gebildet. Bereits die raffinierte Spezialanfertigung deutet darauf hin, dass hier Bastler erster Güte am Werk sein müssen. Die Seitenwand des Hängers ist zur Auslegebühne aufgeklappt, die hochkant gestellten Hälften des Dachs bilden die Wände eines zweiten Stocks.
Roswita betritt die Bühne. In Federboa und Lackstiefeln singt die alternde Femme fatale mit rauchiger Stimme eindringliche Songs von der Nutzlosigkeit des irdischen Daseins. Elegant, launisch, gnadenlos und etwas vulgär verkörpert Roswita eine Diva alter Schule. Im Toben des Publikums findet sich auch der schüchterne P. T. Barx, der sich magisch zu Roswita hingezogen fühlt. Sein Cartoonfigurenherz verlässt seine Brust, bläst sich auf und P. T. schwebt hoch, bis zum Hotelbalkon seiner Angebeteten. Diese ignoriert ihn, und ihre Zigarette bringt sein Herz zum Platzen. P. T. fällt viele Stockwerke hinunter, durchschlägt den Boden und landet in der Unterwelt.

Hybrides Techniktheater
Die Szene vereint Elemente aus Puppenspiel, Comic und Objekttheater. Roswita ist eine lebensgrosse Puppe aus Schaumstoff und Latex. Ihre Beine sind die der vermummten Puppenspielerin, Lisette Wyss. Lippen und Augen steuert Elektronik in ihrem Schädel. Der frühe P. T. Barx ist eine Cartoonfigur, auf Alublech gemalt und von Renato Grob an einem Stock bewegt. Sein Herz, ein Ballon, wird vom Kompressor aufgeblasen. Bei seinem Sturz «scrollt» das Bühnenbild: Ein versteckter Motor rollt es nach oben und visualisiert den Fall.
Unten angekommen, sucht P. T. Barx benommen seine Knochen zusammen - er ist jetzt ein Skelett! Begrüsst wird er von skurrilen, lebensgrossen Robotern, die sich die Zeit in der Unterwelt mit Musizieren vertreiben. «We are the freaks», singt die Band, und bald singt P. T. mit, riskiert sogar ein Tänzchen. Als gelenkiges Skelett (bewegt von Renato Grob) fühlt er sich zunächst unbeschwert. Dann wird ihm klar, dass er Roswita in der Unterwelt nie mehr sehen kann. Aus Schrottteilen versucht er, seine eigene Roswita zu bauen.
Die «Freaks» verhöhnen ihn. Wie sich herausstellt, sind sie Roswitas alte Band, welche sie skrupellos einen nach dem anderen ins Jenseits befördert hat, um als Solostar erfolgreich zu sein. Als Roswita aber schliesslich auch ihren Manager meuchelt, wenden sich die Geschicke in der Ober- und Unterwelt.
Wie die makabre Rockoper «Six Freaks Under» verschiedene Theaterformen und mitreissende Musik kombiniert, ist einzigartig und macht einen Heidenspass. Umso mehr, wenn einem bewusst wird, dass alle Instrumente «live» gespielt werden. Midi-Signale aus dem Computer werden in Stromimpulse umgewandelt und setzen Servomotoren, Hubmagnete und pneumatische Kolben in Bewegung. Freddy Fantastico trommelt auf einem kompletten Drumkit, das Sprungfedergesicht Lemmy trifft die richtigen Saiten und Bündchen und auch E-Bass und Akkordeon grooven wacker mit.

Poetische Maschinen
Das Künstlerduo Rozzobianca (Renato Grob und Lisette Wyss) arbeitet seit fünf Jahren an seinen mechanischen Robotern und bewegten Objekten. Der englische Begriff «poetic machines» passt gut auf Schöpfungen wie den Gitarrenroboter Lemmy. Entstanden aus Schrott und getrieben von alten Maschinenteilen, verströmen sie mit ihren ungelenken Bewegungen einen anrührenden Charme, scheinen Leben und Seele zu haben. Die Comic-Szenen wurden von Noyau umgesetzt und bestechen in ihrer Reduziertheit - mit Roswitas Beinen alleine lässt sich eine ganze Geschichte erzählen. «Six Freaks Under» ist die erste abendfüllende Produktion von Rozzobianca. Hoffentlich nicht die letzte. lMICHAEL GRAF




Letztes Update ( Montag, 24 August 2009 )
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