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Dienstag, 07 Februar 2012
Eine kurze Geschichte, die das Leben schreibt.... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Inspektorkulus   
Freitag, 27 Januar 2006
Ich war männlich, verwegen, ich war frei und hatte lange Haare.

Meine Frau lernte mich kennen, nicht umgekehrt. Sie stellte mir förmlich

nach. Egal wo ich hinkam, sie war schon da. Es ist nun zwölf Jahre her.

Damals war ich eingefleischter Motorradfahrer, trug nur schwarze

Sweat-Shirts, ausgefranste Jeans und Bikerstiefel, und ich trug lange Haare.

Selbstverständlich hatte ich auch ein Outfit für besondere Anlässe. Dann

trug ich ein schwarzes Sweat-Shirt, ausgefranste Jeans und weisse

Turnschuhe.




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Hausarbeit war ein Übel, dem ich wann immer es möglich war aus dem Weg ging.

Aber ich mochte mich und mein Leben. So also lernte sie mich kennen.

"Du bist mein Traummann. Du bist so männlich, so verwegen und so frei."

Mit der Freiheit war es alsbald vorbei, da wir beschlossen zu heiraten.

Warum auch nicht, ich war männlich verwegen, fast frei und ich hatte lange

Haare.

Allerdings nur bis zur Hochzeit. Kurz vorher hörte ich sie sagen:" Du

könntest wenigstens zum Frisör gehen, schliesslich kommen meine Eltern zur

Trauung." Stunden, - nein Tage später und endlose Tränen weiter gab ich nach

und liess mir eine modische Kurzhaarfrisur verpassen, denn schliesslich

liebte ich sie, und was soll`s, ich war männlich, verwegen, fast frei und es

zog auf meinem Kopf. Und ich war soooo lieb.

"Schatz ich liebe Dich so wie Du bist" hauchte sie.

Das Leben war in Ordnung obwohl es auf dem Kopf etwas kühl war. Es folgten

Wochen friedlichen Zusammenseins bis meine Frau eines Tages mit einer

grossen Tüte unterm Arm vor mir stand. Sie holte ein Hemd, einen Pollunder (

Bei dem Wort läuft es mir schon eiskalt den Rücken runter ) und eine neue

Hose hervor und sagte:" Probier das bitte mal an." Tage, Wochen, nein Monate

und endlose Papiertaschentücher weiter gab ich nach, und trug Hemden,

Pollunder (Ärrrgh) und Stoffhosen. Es folgten schwarze Schuhe Sakkos,

Krawatten und Designermäntel. Aber ich war männlich, verwegen, todchic und

es zog auf meinem Kopf. Dann folgte der grösste Kampf. Der Kampf ums

Motorrad.

Allerdings dauerte er nicht sehr lange, denn im schwarzen Anzug der ständig

kneift und zwickt lässt es sich nicht sehr gut kämpfen. Ausserdem drückten

die Lackschuhe was mich auch mürbe machte. Aber was soll`s, ich war

männlich, spiessig, fast frei, ich fuhr einen Kombi, und es zog auf meinem

Kopf.

Mit den Jahren folgten viele Kämpfe, die ich allesamt in einem Meer von

Tränen verlor. Ich spülte, bügelte, kaufte ein, lernte Deutsche Schlager

auswendig, trank lieblichen Rotwein und ging Sonntags spazieren. Was soll`s

dachte ich, ich war ein Weichei, gefangen, fühlte mich scheisse und es zog

auf dem Kopf.

Eines schönen Tages stand meine Frau mit gepackten Koffern vor mir und

sagte:" Ich verlasse Dich."

Völlig erstaunt fragte ich sie nach dem Grund. "Ich liebe Dich nicht mehr,

denn Du hast Dich so verändert. Du bist nicht mehr der Mann den ich mal

kennen gelernt habe."

Vor kurzem traf ich sie wieder.

Ihr "Neuer" ist ein langhaariger Biker mit zerrissenen Jeans und

Tätowierungen, der mich mitleidig ansah.

Ich glaube, ich werde Ihm eine Mütze schicken.

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